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Ortsteile

Die heutige Gemeinde Kerken wurde im Jahre 1969 durch die Zusammenlegung der bis dahin selbständigen Ämter Aldekerk, Eyll, Nieukerk und Stenden sowie den Bauernschaften Baersdonk, Niersken, Poelyck, Rahm, Stenden und Winternam ins Leben gerufen. Einen kurzen historischen Überblick der vier Ortschaften unserer Gemeinde finden Sie im Folgenden.

Aldekerk

Kleiner Markt Aldekerk

Aldekerk wird erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt, sein Ursprung liegt jedoch in den vorhergehenden Jahrhunderten. Spuren eines geldrischen Herrenhofes und einer alten Kirche führen in die früheste Zeit zurück. Mit Nieukerk bewirbt Aldekerk sich um den ältesten Standort einer Kirche in der Vogtei, die erstmals 1067 als „ecclesia in gelre" erwähnt wird.

Auch in Aldekerk existierte zunächst eine Ansammlung von Höfen, von denen im 14. Jahrhundert immerhin 51 Inhaber als steuerpflichtig in den geldrischen Steuerlisten aufgelistet werden. Die weitere Entwicklung vom 14. bis zum 18. Jahrhundert wird immer wieder von Kriegszügen, Brandschatzungen und Kontributionen beeinträchtigt, die 1642 in der beinahe kompletten Zerstörung des Ortes gipfeln.

1713 gelangt die Vogtei mit Aldekerk mit dem Oberquartier Geldern an Preußen. Erste Versuche einer wirtschaftlichen Förderung bringen zwei Seidenbandfabriken in das Dorf. Die französische Revolution erreicht das linke Rheinufer 1793 und gliedert es bis 1813/15 in das französische Staatsgebiet ein. Auch Aldekerk wird in der Zeit französisch. Im Rahmen der Säkularisation, d.h. Aufhebung der geistlichen Korporationen und Stiftungen, wird auch das mittelalterliche Aldekerker Kloster aufgehoben.

Das 19. Jahrhundert bringt einen deutlichen Aufschwung. Der Ausbau der Verkehrswege um Aldekerk herum, der vom Bürgermeister Johann Wilhelm Alsters (1799 - 1853) aktiv betrieben wird, macht Aldekerk zu einem Zentrum des ländlichen Handels. Das Adressbuch von 1910 weist immerhin neben den 30 Ackerern 21 Kolonialwarenhändler und 6 Manufakturwarenhändler auf. Neben anderen Berufsgruppen, die der Versorgung der einheimischen Bevölkerung dienten, waren die Strumpfwirker mit 22 und die Schuhmacher mit 15 Personen. 7 Viehhändler und 19 Wirte hatten damals ihr Auskommen. Franz Kleinbongartz gründete im 20. Jh. seine Fleischwaren- und Konservenfabrik, die zeitweise 300 Mitarbeiter beschäftigte.

Die Entwicklung der Einwohnerzahlen spiegelt ein stetiges Wachstum des Ortes. Im Jahre 1816 lebten in Aldekerk 928 Personen, 1871 waren es 1.531, 1939 waren es 1.916 und im Jahre 1961 2.379 Einwohner. Gegenwärtig leben 3.137 Menschen in Aldekerk (Stand 31.12.2012). Gemeinsam mit der Gemeinde Stenden bildete die Gemeinde Aldekerk das Amt Aldekerk. 1969, im Rahmen der kommunalen Neugliederung, wurde es zusammen mit Eyll und Nieukerk ein Teil der neu gegründeten Gemeinde Kerken. Durch diese Zusammenlegung wurde ein großer Teil des alten geldrischen Verwaltungsbezirks der Vogtei wieder zusammengeführt.

Nieukerk

Michael-Buyx-Park

Der römerzeitliche Votivstein in der Nieukerker Pfarrkirche St. Dionysius stammt aus der Zeit um 180 v.Chr. Ob hier damals schon eine römische Weg- oder Militärstation stand, ist nicht mehr festzustellen. An gleicher Stelle wurde lange vor der Jahrtausendwende (vor 1000 n. Chr.) eine kleine Kirche errichtet. Diese war für die Gläubigen aus Eyll und Winternam, deren Höfe am Rande der Aldekerker Platte angesiedelt waren, der erste christliche Anlaufpunkt.

Erst später entstand um die Kirche herum der Ort Nieukerk. Hier bestanden einige große Hofkomplexe, von denen einer seinen Namen von den (Erz-)Bischöfen von Köln, ein anderer von den Grafen von Geldern ableitete. Mit den umliegenden Bauernschaften und Aldekerk bildete Nieukerk die Vogtei Geldern und gehörte damit zur gleichnamigen Grafschaft bzw. zum Herzogtum. Kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Territorialherren beschwerten die örtliche Bevölkerung vom 14. bis zum 18. Jahrhundert und sorgten wie im Nachbarort Aldekerk für häufige Belagerungen, Kontributionen und Brandschatzungen. 1642, während des 30-jährigen Krieges, wurde der Häuserbestand zu einem Drittel eingeäschert.

Im Rahmen der preußischen Wirtschaftsförderung des 18. Jh. wurde im Ort eine Tuchfabrik, eine Hutfabrik und um 1800 eine Färberei gegründet. Die Leinenweberei wurde im 19. Jh. von der Seidenweberei verdrängt, die einem großen Teil der örtlichen Bevölkerung als Hauswebern ein Einkommen gab. 1920/21 nahm die Württembergische Seidenweberei ihre Geschäfte auf und wurde zu einem weiteren wichtigen Arbeitgeber. Nach wie vor lebten viele Menschen auch innerorts von der Landwirtschaft.

Seit 1816 gehörte Nieukerk zum neu gegründeten Kreis Geldern. Der Bau der Eisenbahnlinie 1863 kam auch der Mobilität der Arbeitskräfte zugute; viele Nieukerker fanden in der Textilindustrie Krefelds ein Auskommen. Die Bevölkerung wuchs im 19. und 20. Jh. zunehmend an: 1816 hatte der Ort 1.394 Einwohner, 1871 waren es 2.668. 1939 gab es 3.332 Nieukerker und im Jahre 1961 war die Bevölkerung auf 4.256 angestiegen. Heute leben in Nieukerk 5.679 Personen (Stand 31.12.2012). Im größten Ortsteil der Gemeinde Kerken befindet sich auch der Sitz der Gemeindeverwaltung Kerken, zu der seit 1969 die Vorgängergemeinden Aldekerk, Eyll, Nieukerk und Stenden gehören. In der Gemeinde Kerken wohnten am 31.12.2012 insgesamt 13.060 Menschen.

Mit den weitreichenden Veränderungen in der Landwirtschaft verschwanden auch im Nieukerker Ortskern nach 1945 die innerörtlichen Bauernhöfe. Der Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen nach dem II. Weltkrieg machte den Ausbau von weiteren Wohngebieten um den alten Ortskern herum notwendig. Die Vergangenheit hat ihre Spuren jedoch in den vielen typischen Backsteingebäuden des reizvollen Ortskerns hinterlassen.

Eyll

Haus in Eyll

Schon vor der Jahrtausendwende fanden die ersten Siedler den Weg zum Rand der Aldekerker Platte, wo die höhergelegene fruchtbare Feldflur auf das tiefergelegene, feuchte Bruch traf. Noch heute sieht man stellenweise die Reste der ursprünglichen Besiedlung, Höfe, die sich wie an einer Perlenschnur entlang der Terrassenkante ziehen, die in Richtung Obereyll abflacht. In Urkunden taucht der Name Eyll erstmals im Zusammenhang mit den Herren von Haus Gastendonk im Jahre 1274 auf.

Die mittelalterlichen, Graben umwehrten Herrensitze Haus Gastendonk, Haus Palings und Haus Slousen, dienten noch bis in die frühe Neuzeit der Verteidigung des geldrischen Gebietes gegen äußere Feinde, ebenso wie die mittelalterliche Landwehr, ein künstlich angelegter Graben, der die gesamt Vogtei umgab. Auf Eyller Gebiet finden sich noch heute zahlreiche Zeugnisse volkstümlicher Frömmigkeit. Die älteste und wichtigste ist die Eyller St. Antonius-Kapelle aus der Zeit vor dem Jahre 1500. Wegekreuze und Heiligenhäuschen mahnen zum Gebet und auch die bemerkenswerte Neugründung einer St. Hubertus-Kapelle am Rather Weg in jüngster Zeit steht für den hier tief verwurzelten Glauben.

Das Bild der Bauernschaft Eyll hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert. Bruchseits der Eyller Straße befinden sich zahlreiche Neubauten. Siedlungen am Kempener und Kuhdyck sowie An den Linden entstanden nach dem II. Weltkrieg auf Eyller Gebiet, um so die Wohnungsnot mildern. Waren 1910 noch 74 Ackerer und 32 Ackergehilfen auf den Eyller Feldern und Wiesen tätig, so sind heute viele Bauernhöfe aufgegeben, privatisiert oder verschwunden.

Eyll ist seit 1969 Teil der neu gegründeten Gemeinde Kerken und deren größte Gemarkung. War die Einwohnerzahl in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts relativ konstant (1910 hatte Eyll 906 Einwohner), so wuchs die Einwohnerzahlt nach der kommunalen Neugliederung im Jahre 1969 von 1970 (921 E) bis 1012 auf 2.064 Personen an, die auf Eyller Gebiet wohnten. Im Eyller Bruch gibt es für Erholungssuchende das Waldfreibad Eyller See, 2 Campingplätze und einen Jugendzeltplatz sowie zahlreiche Wander- und Radfahrwege.

Stenden

Luftbildaufnahme der Stendener Kiesgrube

Stenden entstand als bäuerliche Siedlung am Rande der Aldekerker Platte im Mittelalter. Zahlreiche Höfe reihten sich an der Terrassenkante zwischen Haag und Eyll aneinander. Die erste Kapelle (1483) und eine eigenen Schule (1688 erstmals erwähnt) bildeten den Mittelpunkt des langgestreckten Ortes, dessen Einwohner bis 1858 zur Pfarre Aldekerk gehörten. Die relativ große Entfernung sowie das starke Anwachsen der Bevölkerung in Stenden waren die Ursachen für die Pfarrerhebung Stendens 1858 sowie den Stellenwert als selbständige Bürgermeisterei in der Samtgemeinde Aldekerk bzw. dem späteren Amt Aldekerk.

Im Adressbuch des Jahres 1897 werden für Stenden und Rahm 56 Ackerer (Landwirte) und Gutsbesitzer genannt. Die vorwiegend bäuerliche Struktur blieb bis weit ins 20. Jahrhundert hinein erhalten. Die Stendener Bevölkerung wuchs im 19. Jahrhundert deutlich an. 1843 wohnten in Stenden 522 Personen, 1870 waren es immerhin schon 1016 Einwohner. 1962 hatten Stenden und Rahm insgesamt 234 Wohnhäuser und 1.238 Einwohner. Als im Jahre 1969 Stenden zur neugegründeten Gemeinde Kerken geschlagen wurde, lebten hier 1.418 Einwohner. Heute hat Stenden mit Rahm 2.216 Einwohner (Stand: 31.12.2012).

Nach der kommunalen Neugliederung im Jahre 1969 erhielt Stenden erstmals ein Kanalnetz. Seither wurden zahlreiche Siedlungen in Stenden errichtet. War der Stendener Horst schon in den 30er Jahren besiedelt, so kamen nun Neubauten am Eilder Dyk, am Horster Dyk, am Lichtenberger Weg, am Hoefnagelsdyk, am Drevelsdyk, am Prießendyk, am neuen Weg, am Alten Kirchweg etc. hinzu und ließen den Ort weiter anwachsen. Die Dorfstraße wurde aufgefüllt und der Platz zwischen den alten Hofstellen besiedelt bzw. an die Stelle der alten Höfe traten neue Wohnhäuser. Die optimale Verkehrsanbindung durch die Autobahn veranlassten viele Neubürger nach Stenden zu ziehen. Die Bruchlandschaft und die nahegelegenen Höhenzüge machen den Reiz der umgebenden Landschaft aus und bieten zahlreiche Möglichkeiten zur Naherholung.

Im Zentrum des Dorfes stehen auch heute noch die Kirche, der Dorfplatz mit dem ehemaligen Pastorat, dem Kindergarten und dem Feuerwehrhaus. Die Stendener Mühle ist zusammen mit dem neoromanischen Kirchturm der St. Thomas Kirche von 1902 ein weithin sichtbares Wahrzeichen des Ortes.

 

 

 

 


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